Auf dem Prüfstand

In eigenen Hochtechnologie-Laboren an nahezu allen Standorten erprobt ContiTech die Leistungsfähigkeit, Belastbarkeit und Qualität seiner Produkte unter realen Bedingungen. Erst dann geht ein Bauteil in Serie. Dabei testen die Experten weit übers Limit hinaus.

Auf dem Prüfstand

In der Sonnensimulations-Kammer bildet Benecke-Kaliko als Spezialist für automobile Innenräume das natürliche Spektrum des Sonnenlichts nach und prüft so das Alterungsverhalten von Bauteilen wie Instrumententafeln oder auch Reifen.

Wenn der südkoreanische Schnellzug HEMU 400x seine Fahrgäste mit einer Höchstgeschwindigkeit von 400 km/h sicher ans Ziel bringen soll, muss jedes einzelne Bauteil der Hightech-Bahn zuverlässig funktionieren. Leistungsfähigkeit, Belastbarkeit und Zuverlässigkeit spielen auch eine große Rolle, wenn Menschen mit Aufzügen in die luftigen Höhen von 70 oder mehr Etagen in Wolkenkratzern gebracht werden. Gleiches gilt, wenn Truckfahrer ihren Lkw durch eiskalte sibirische Landschaften oder über unwegsame Gebirgsstraßen lenken. All das sind Bedingungen, denen Systeme und Komponenten von ContiTech tagtäglich ausgesetzt sind.
 

Hinzu kommen strenge gesetzliche Richtlinien, die die Bauteile erfüllen müssen. Doch erst wenn auch die kleinste Komponente in den Prüflaboren des Spezialisten für Kautschuk- und Kunststofftechnologie vielfältige Tests durchlaufen und bestanden hat, kommt sie im Endprodukt zum Einsatz. Jedes Detail muss stimmen – vom ersten Moment der Entwicklung bis hin zum Serieneinsatz. Das schafft Sicherheit für Millionen von Menschen weltweit. Und das macht ContiTech aus.

Der Härtetest

Es fängt bei dem richtigen Werkstoff an. Bis die jeweilige Rezeptur stimmt, wird produktgerecht geprüft, austariert, immer wieder evaluiert und nachjustiert. Experten prüfen in den ContiTech Laboren Materialien und Produkte auf Herz und Nieren: Dichte, Biegefestigkeit, Verformbarkeit, Korrosions-, Ozon-, Hitze- und Kältebeständigkeit, Haftung, Berstdruck oder Medien- und Kratzbeständigkeit bis hin zu Reißkraft oder Zugfestigkeit werden präzise gemessen.

An Standorten rund um den Globus stellen die Entwicklungsingenieure des Unternehmens in eigenen Hochtechnologie-Laboren die Qualität von Bauteilen aller Art auf den Prüfstand. Auf wissenschaftlicher Grundlage wird nahezu jede denkbare Situation authentisch simuliert. Dabei prüfen und testen die Experten so lange im Grenzbereich, bis sie neue Meilensteine setzen können. Die ContiTech Power Transmission Group verfügt als einziges Unternehmen auf dem Markt über einen Akustikprüfstand, der die Prüfung von Körperschallemissionen von Antriebsriemen für elektromechanische Servolenkungen in der Kfz-Erstausrüstung zu 100 % gewährleistet. Auf dieser Basis hat der Antriebsspezialist für das Zahnriemengetriebe einer elektrischen Servolenkung einen schrägverzahnten Riemen bauen können.

Die Anforderungen an die Komponenten sind hoch: Dicht über der Fahrbahnoberfläche eingesetzt, muss der Riemen sehr niedrige Temperaturen aushalten. Für einen niedrigen Geräuschpegel wurde das speziell entwickelte Riemenprofil um fünf Grad schrägverzahnt. Und die Tests beweisen: Es funktioniert hervorragend.

Auf dem Prüfstand

ContiTech Elastomer Coatings treibt die Entwicklung im funktionalen Drucken voran.


Auf dem Prüfstand

Benecke-Kaliko Mitarbeiterin Tang Hua untersucht im chinesischen Labor des Unternehmens die Einflussfaktoren bei der Beutel-Methode zur Emissionsmessung.


Auf dem Prüfstand

ContiTech testet schwingungstechnische Komponenten für schwere Nutz- und Industriefahrzeuge auf diesem modularen 3-D-Prüfstand im slowakischen Dolne Vestenice.

Zertifizierte Kompetenz

ContiTech Prüf- und Forschungslabore zählen in praktisch allen Geschäftsbereichen zu den führenden ihrer Branche. Einige Einrichtungen sind zusätzlich zertifiziert und bei den Behörden akkreditiert. Mit diesem Status dürfen sie wie unabhängige Labore Bauteile für Hersteller testen. Das Unternehmen besitzt das weltweit einzige Prüflabor von Schienenfahrzeugen, dessen Unabhängigkeit offiziell zertifiziert wurde. Zwölf für die Bahnindustrie relevante Prüfverfahren sind derzeit akkreditiert. Die Belastung von Luftfedern wird unter verschiedensten Umfeldbedingungen praxisnah simuliert, beispielsweise am mehraxialen Prüfstand: Welche Kräfte wirken auf das System? Wie groß ist die Balgverformung? Welche Temperaturen erzeugen welche Reibkräfte? Bereits im frühen Projektstadium lassen sich damit verlässliche Vorhersagen über das Leistungsverhalten von Luftfedern beispielsweise im Chassis von Lkws ableiten.

Immer einen Schritt voraus

Darüber hinaus sind Prüflabore immer auch Quelle für Innovationen und Weiterentwicklungen. Im Jahr 2017 tritt eine neue EU-Richtlinie für alle neuen Pkws in Kraft. Diese verlangt klimafreundlichere Kältemittel für Klimaanlagen. Das bisherige Kältemittel Tetrafluorethan (R134a) ist nicht mehr zulässig und muss künftig ersetzt werden. Damit Fahrzeughersteller die Klimaanlagen ihrer Neuwagenflotten auf das neue Kältemittel CO2 (R 744) umstellen können, hält ContiTech bereits jetzt das passende Leitungssystem bereit. Es überzeugt mit minimalem Kältemittelverlust über die gesamte Fahrzeuglebensdauer. Bei der Entwicklung standen vor allem weniger Gewicht und ein geringerer Bauraum durch kompaktere Bauformen im Vordergrund. Für die Einführung eines weiteren neuen Kältemittels führt ContiTech schon jetzt die entsprechenden Prüfungen durch.

Mit dem Kunden für den Kunden

Um optimal auf die jeweiligen Anforderungen abgestimmte Bauteile herzustellen, arbeiten die ContiTech Experten bereits frühzeitig gemeinsam mit ihren Partnern an der Evolution von Produkten und Werkstoffen. „Ein besonderer Pluspunkt unserer Einrichtung ist, dass wir auf individuelle Kundenanforderungen schnell reagieren können. Wir bauen für kundenspezifische Tests unsere Anlagen nach Maßgabe um. Dabei prüfen wir nicht etwa Standardsituationen, die ein Fahrzeug durchläuft, sondern Ausnahmesituationen im Grenzbereich“, betont Hubertus Gawinski, Leiter Forschung und Entwicklung bei ContiTech Air Spring Systems.

Ein Beispiel für eine kundenspezifische Entwicklung kommt vom Mischungsspezialisten ContiTech Compounding Technology, der eine helle Silikamischung ohne schwarzen Rußansatz für acht Reifenmodelle der Continental entwickelt hat. Die hellen Industriereifen für Flurförderzeuge hinterlassen keine schwarzen Abriebspuren mehr auf den Böden. Das ist besonders in staub- und schmutzempfindlichen Produktionsanlagen ein großer Pluspunkt. „Die Reifen mit unserer Mischung kommen in der Lebensmittel- oder Getränkeindustrie, bei Computer- und Elektronikherstellern oder auch in der Solarindustrie sowie in der Luft- und Raumfahrtindustrie zum Einsatz“, erläutert PCT-Compounder Heiko Schilling.

Über Ländergrenzen hinweg

Als Spezialist für hochwertige, geruchsarme und gesundheitsfreundliche Innenraummaterialien für Fahrzeuge unterstützt Benecke-Kaliko bereits seit Jahren den chinesischen Automobilmarkt. Das Unternehmen hilft den Kunden bei der Definition einheitlicher Messmethoden, um eine hohe Luftqualität im Fahrzeuginnenraum zu erreichen. Zur Messung der Emissionen in Fahrzeugen gibt es eine Reihe von Verfahren. Die Experten von Benecke-Kaliko haben die in Asien gebräuchlichste Messmethode unter die Lupe genommen. Hierbei werden Proben in Beutel verpackt und erhitzt, um die darin entstehende Schadstoffkonzentration zu messen. Da jeder Fahrzeughersteller seine eigenen Prüfungsparameter für diese „Beutel-Methode“ verwendet, wird die Vergleichbarkeit der Ergebnisse erschwert. Benecke-Kaliko hat untersucht, welche Faktoren auf die Prüfresultate einwirken.

Den größten Einfluss haben demnach das Probenalter und die Vorbereitung der Proben. „Wir konnten aufzeigen, dass darin der größte Einflussfaktor auf das Messergebnis liegt“, betont Roland Freudenmann, Leiter der weltweiten Labore bei Benecke-Kaliko. Durch Formulierung notwendiger Standards und Toleranzen hat der Spezialist für automobile Innenräume dafür gesorgt, dass künftig mit der marktüblichen Methode vergleichbare und aussagekräftige Ergebnisse erzielt werden.

Hightech-Prüfeinrichtungen für Hightech-Produkte

Auch ContiTech Oil & Marine ist führend im Bereich Innovation und Prüfung. Das Unternehmen verfügt über technisch äußerst fortgeschrittene und einzigartige Anlagen. „Wenn es um Spitzentechnologien wie unsere LNG-Schläuche zum Transport von Flüssigerdgas geht, dann erfordern diese Prüfeinrichtungen, die sich auf dem höchsten technologischen Niveau befinden. Damit sichern wir uns einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil“, hebt Kam Zandiyeah hervor. „Unsere Ladeluft-Lebensdauer-Prüfstände haben wir selbst entwickelt und für das gesamte Segment gebaut. In puncto Größe, Bedienbarkeit, Präzision und Energierückgewinnung ist diese Testanlage absolut state of the art“, betont Sebastian Seibold, F&E-Leiter bei Mobile Fluid Systems.

Ein weiteres Exempel für einzigartige Prüfverfahren liefert wiederum Benecke-Kaliko. Als einziger Hersteller seiner Branche kann der Geschäftsbereich in den unternehmenseigenen Laboren die Vielzahl von Prüfverfahren für Lichtbeständigkeit, Emissionen und Anti-Knarz von Bezugsmaterialien und Oberflächen selbst messen. So können die Experten entsprechende Entwicklungsanpassungen empfehlen. Andere Hersteller greifen hier auf unabhängige Labore zurück, was mit Kosten, langen Wartezeiten und oft uneinheitlichen Messmethoden einhergeht. Die Prüfungen detailliert in Präzision und auch mit deren Problemen genau zu kennen, beschleunigt die Entwicklung von neuen, verbesserten Oberflächen- und Bezugsmaterialien.

Ein Netzwerk: global und crossdivisional

„Es ist die Vielseitigkeit im Hinblick auf unsere Simulations- und Messmethoden, die uns auszeichnet. Diese stehen uns weltweit an fünf Standorten zur Verfügung. Ein Highlight ist der modulare 3-D-Prüfstand im slowakischen Dolne Vestenice. Hier erproben wir schwingungstechnische Komponenten für schwere Nutz- und Industriefahrzeuge“, erläutert Hans-Jürgen Karkosch, Leiter F&E bei ContiTech Vibration Control. Doch was tun, wenn die Anwendung nicht ins Labor passt? Um große Baustellenfahrzeuge, Schiffe oder Windkraftanalagen vermessen zu können, haben die Lager- und Schwingungsexperten eigens mobile Prüfsysteme geschaffen. Mit diesen können schwingungstechnische und akustische Untersuchungen direkt am Einsatzort und unter realen Bedingungen durchgeführt werden. ContiTech hebt bedeutendes Potenzial, weil das Unternehmen als Global Player im Sinne des Lokalitätsprinzips die Forschung und Entwicklung auch durch dezentrale Einrichtungen in den Märkten etabliert. Die Standorte arbeiten dabei alle nach denselben definierten Standards. Und auch die verschiedenen Geschäftsbereiche nutzen die Einrichtungen untereinander.

Hinzu kommt das Know-how des Continental-Konzerns. Auch hier werden Synergien effizient genutzt – weltweit und über alle Divisionen hinweg.

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