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Pionierleistung 2.200 Meter unter den Alpengipfeln

Die Schweiz schreibt mit dem Gotthard-Tunnel Geschichte – ContiTech ist mit dabei

Pionierleistung 2.200 Meter unter den Alpengipfeln

Die Schweiz ist um einen Superlativ reicher. Im Oktober 2010 durchbohrte die Tunnelbohrmaschine „Gabi I“ die letzten Zentimeter des 57 Kilometer langen Gotthard-Basistunnels. Damit verfügen die Schweizer über den längsten Tunnel der Welt. Bei den Arbeiten kommen auch Schläuche und Fördergurte von ContiTech zum Einsatz.

Januar 2011Die Schweiz ist um einen Superlativ reicher. Im Oktober 2010 durchbohrte die Tunnelbohrmaschine „Gabi I“ die letzten Zentimeter des 57 Kilometer langen Gotthard-Basistunnels. Damit verfügen die Schweizer über den längsten Tunnel der Welt. Bei den Arbeiten kommen auch Schläuche und Fördergurte von ContiTech zum Einsatz.

Ganz vorn mit dabei sind deutsche Unternehmen wie die Herrenknecht AG aus Schwanau, ein Spezialist für Tunnelvortriebsmaschinen. Für die verschiedensten Projekte auf der ganzen Welt liefern die Schwaben Tunnelbohrmaschinen und speziell entwickelte Arbeitsbühnen. ContiTech ist mit mehreren Geschäftsbereichen daran beteiligt. So ist die ContiTech Tochter Eddelbüttel + Schneider als Spezialschlauchexperte langjähriger Partner von Herrenknecht und hat die Schläuche für die Tunnelbohrmaschinen und Installationsvorrichtungen für den Tunnelbau konstruiert.

Wenn es darum geht, die scharfkantigen Granitbrocken, die bei den Bohrarbeiten anfallen, über weite Strecken zu transportieren, kommen sowohl Stahlseil- als auch Gewebe-Fördergurte der ContiTech Conveyor Belt Group zum Einsatz. Bereits seit zehn Jahren liefert der Förderbandspezialist Produkte für dieses Megaprojekt. Mehr als 140 Kilometer sind es inzwischen, die vor den Tunneleingangsportalen und auch innerhalb der Tunnel zuverlässig ihren Dienst verrichten und mit Fortschreiten des Tunnelbaus zu kilometerlangen Förderbändern wachsen. Gemeinsam mit dem Partner Agom Technica SA aus der Schweiz stellt ContiTech sicher, dass die Fördergurte auf der Gabi I täglich einen ungestörten Transport des Abraums sicherstellen.

Aber wozu bauen die Alpenbewohner diesen Riesentunnel? Für den ständig wachsenden Güterverkehr auf den Straßen zwischen Mittel- und Südeuropa wirkt das Land wie ein verkehrspolitisches Nadelöhr, das jedes Jahr ein höheres Verkehrsaufkommen verkraften muss. Mit gewaltigen Auswirkungen für Mensch und Umwelt. Von der Straße auf die Schiene – so lautet das Motto, mit dem die Schweizer Mitte der 90er-Jahre das Projekt NEAT starteten. NEAT steht für „Neue Eisenbahn-Alpentransversale“ und bezeichnet den Neubau einer modernen Schnellbahnlinie auf der Nord-Süd-Achse des Landes. Kernstück sind gleich drei neue Riesentunnel für die Bahn – der größte davon ist der Basistunnel am Gotthard. Nach dessen für 2017 geplante Inbetriebnahme soll vieles besser werden: Gemessen am alten Bahntunnel wird die Strecke deutlich kürzer, sie wird mit größeren Lasten und höheren Geschwindigkeiten befahrbar sein, bietet dabei deutlich mehr Sicherheit und spart vor allem etwa 50 Prozent der Antriebsenergie ein. Dadurch erhofft man sich einen deutlichen Anreiz für die Verlagerung des Schwerverkehrs auf die Schiene.

Die Verbindung ist als Flachbahn so konstruiert, dass der Tunnel ohne nennenswerte Steigungen auf einem Niveau von 550 Metern über dem Meeresspiegel verläuft. Und das auf einer Länge von 57 Kilometern gleich zwei Mal, denn die Konstruktion besteht aus zwei separaten, parallelen Röhren: dem Ost- und dem Westtunnel. Mit allen Zugangs- und Verbindungstunneln umfasst das Gesamtsystem eine Länge von 156 Kilometern – 156.000 Meter, die Stück für Stück aus dem Gebirge herausgebrochen oder gesprengt werden müssen. Bei einem Tunneldurchmesser von jeweils zehn Metern kommen so an die 30 Millionen Tonnen Gestein zusammen. Rund ein Drittel des Abraums wird im Beton für den Innenausbau wiederverwendet.

Das Herzstück des Tunnelbaus ist die Gabi I, eine der vier Tunnelbohrmaschinen der Herrenknecht AG im Gotthard. Eine Anlage von wahrer Größe: Von den 450 Metern Gesamtlänge dienen die ersten acht Meter dem bohrenden Vortrieb, der Rest besteht aus einer Art fahrbarem Baugerüst. Von dort aus werden die Wände des Bohrlochs mit Ankern und Spritzbeton gesichert. Die gesamte Anlage bewegt sich, angetrieben von einer Hydraulikvorrichtung, auf einem Schienensystem mit sieben Metern Spurbreite entsprechend der Bohrgeschwindigkeit nach vorn.

Der Bohrkopf von Gabi I mit 62 Meißeln hat einen Durchmesser von 9,58 Metern und wird von zehn Elektromotoren angetrieben, die eine Leistung von insgesamt 4.700 PS erzeugen. Das reicht aus, um sie jeden Tag bis zu 40 Metern durch das harte Gestein zu treiben. Gleich hinter dem Bohrkopf wird ein Unterdruck erzeugt, der hilft, das ausgebrochene Material sauber über einen massiven Kautschukschlauch von ContiTech auf das stahlarmierte Förderband zu leiten.

Auf einer Arbeitsplattform, dem „Wurm“, werden die Befestigungsarbeiten vollendet. Es handelt sich um eine eigens für das Gotthard-Projekt entwickele Konstruktion, über die Gabi I unterbrechungsfrei mit Strom und Wasser versorgt wird, während die dahinter liegenden Wände der Röhre foliert und betoniert werden können. Der Wurm überbrückt an dieser Stelle die ansonsten fest installierten Versorgungsleitungen. Dazu bewegt sich sein vorderes Ende, das mit einer Schlauchtrommel von etwa vier Metern Durchmesser und bis zu 150 Metern Kautschukschlauch versehen ist, per Hydraulik auf der Gleisanlage nach vorn, entsprechend dem Fortgang der arbeiten an den Tunnelwänden.

Nach maximal einer Woche wird das hintere Ende des Wurms nachgezogen, der Schlauch neu aufgerollt und so die notwendige Schlauchlänge für eine weitere Arbeitswoche herangeschafft. Wenn Marcus Prinz, Geschäftsführer von Eddelbüttel + Schneider, lapidar sagt, dies sei keine Hexerei, sondern eigentlich nur wie ein „Gardena-Gartenschlauchsystem“, ist das pures Understatement. Immerhin hat der ContiTech Schlauch, der im Gotthard eingesetzt wird, einen Durchmesser von gut 40 Zentimetern und wiegt 70 Kilogramm – pro laufendem Meter. Wirklich nicht gerade ein Gartenschlauch.

Im Jahr 2017 – nach 18 Jahren Bauzeit – werden die ersten Züge durch den Alptransit rollen und Zürich und Mailand nur noch 160 Zugminuten auseinanderliegen.

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